Liebe Freundinnen und Freunde,
ich will nicht zusehen, wie andere unsere Zukunft verwalten oder zerstören. Ich baue dafür auf Tatkraft – aber auch auf Visionen. Nicht aus Naivität, sondern weil wir wissen: unsere Zukunft wird nicht von alleine gut, sondern nur, wenn wir sie gestalten.
Diese Überzeugung darf nicht nur in Worten Ausdruck finden. Sie braucht Zeit und Raum, um sich im konkreten Handeln zu entfalten. Wer glaubt, dass es gut werden kann, muss auch bereit sein, anzupacken – und das ermöglichen. Ich setze auf die Menschen in diesem Land, die anpacken wollen, auf ihren Willen und ihre Kraft, Neues zu schaffen.
Hier sehe ich eine zentrale Rolle für uns Bündnisgrüne. Für mich sind wir die zentrale Kraft, die Orientierung gibt, eine Vision nach vorne entwirft und die Zukunft gestaltet. Eine Partei, die klar ist in ihrer Haltung, ehrgeizig in ihren Zielen und pragmatisch und zusammenführend in der Umsetzung. Eine Partei, die wieder spürbar Bewegung ist: offen, einladend und mit einer Anmutung, die Lust macht mitzumachen. Die bereit ist, in neuen Zeiten auch neue Antworten zu geben, und dafür auch ihre eigene Programmatik immer wieder hinterfragt, überprüft und verbessert. Wir stehen dabei bewusst in einem Spannungsfeld. Wir verteidigen unsere Verfassung und tragen diesen Staat. Trotzdem wollen wir ihn nicht so lassen, wie er ist, und treiben mit anderen zusammen seine Erneuerung voran. Das Land kommt dabei vor der Partei. Die Symbole, die Sprache und die Räume unserer Bundesrepublik überlassen wir nicht den Rechtsextremen. Wir wollen sie mit neuem Leben erfüllen.
Für mich sind wir die Partei der Hoffnung und der Vernunft, die trotz aller gegenläufigen Trends auf das Verbindende setzt. Die die Sorgen der Menschen ernst nimmt und sie nicht für Fremdenhass missbraucht, die aber auch alle Missstände offen anspricht und sich nicht wegduckt, wenn es schwierig wird. Die im Sinne Hannah Arendts auf einer gemeinsam anerkannten Wirklichkeit besteht und sie auch gegen die demagogische Macht der großen Plattformen verteidigt. Unsere Gegner sind nicht die demokratischen Wettbewerber, sondern die Tech-Bros, die fossilen Oligarchen und die autoritären Kräfte weltweit.
Die die Freiheit als Richtschnur hat, nicht als Besitz weniger, sondern als Möglichkeit aller, das eigene Leben selbst zu gestalten. Die weiß, dass das Versprechen der Freiheit brüchig geworden ist, und es erneuert – nicht jeder für sich, sondern im Wissen, dass es darauf ankommt, dass Menschen füreinander einstehen und gemeinsam handeln. Frei sind wir nur im Wir.
Die der Klimakrise mit Ideen und Teilhabe begegnet und im Aufbau einer Wirtschaft, die auf unseren Planeten passt, die größte Chance unserer Generation sieht. Interessenkonflikte wollen wir klar benennen und austragen und nicht rein über Moral lösen. Und wir müssen die Vermögensungleichheit angehen, indem wir große Vermögen begrenzen und Vermögensaufbau von unten ermöglichen.
Dabei denken wir unser Land nie ohne Europa. Aus dem „Nie wieder“, der Lehre unserer Geschichte, muss heute ein „Nie wieder allein“ werden. Das heißt: Deutschland übernimmt mehr Verantwortung für die Sicherheit unseres Kontinents, aber nie im Alleingang, sondern fest eingebunden in europäische Strukturen, die unseren Nachbarn Vertrauen geben.
Wir fangen dabei nicht bei null an. In den vergangenen Jahren sind Felix und ich schon wichtige Schritte in diese Richtung gegangen. Ich bin in dieser Zeit in meine Rolle an der Spitze unserer Partei hineingewachsen. Am Anfang lag der Fokus klar auf dem Wahlkampf und darauf, Robert als unseren Kanzlerkandidaten zu unterstützen. Dann kamen das Ende der Regierungsbeteiligung, der Weg in die Opposition und der Abschied von Annalena und Robert. Seitdem haben wir Ziele definiert und die inhaltliche Weiterentwicklung vorangetrieben, auch dort, wo es schmerzhaft und umstritten war, wie beim Nahostkonflikt. Für uns ist klar: Wir stehen konsequent gegen jeden Antisemitismus, stehen zum Existenzrecht Israels und sind gleichzeitig deutlich gegen die Politik der jetzigen israelischen Regierung im Gazastreifen und gegen Siedlungsbau und Siedlergewalt im Westjordanland. Dazu kommen neue Formate, die wir ausprobiert haben, und die Reform unserer Parteistrukturen. Die Wahlen in Baden-Württemberg und in München waren ein Erfolg, und genauso haben wir auch gemeinsam im Herbst gezeigt, dass wir eine gesamtdeutsche Partei sind und bleiben. Wir haben dies auch erreicht, weil so viele mitgeholfen haben und wir alle geschlossen an einem Strang gezogen haben. Für all diese Kraftanstrengungen danke ich euch von Herzen.
Zu einem ehrlichen Blick auf die Landtagswahlen gehört aber auch, dass wir unseren Umgang mit der AfD selbstkritisch hinterfragen sollten. Empörung allein hat sie nicht kleiner gemacht. Wir wollen daraus lernen und besser werden, in dem, was wir inhaltlich anbieten, und in der Art, wie wir Politik machen: näher an den Problemen, die Menschen im Alltag haben, zuhörend statt mit erhobenem Zeigefinger und mit mehr Präsenz auch dort, wo die anti-demokratischen Kräfte stark sind.
Viele Menschen haben gerade das Gefühl, dass ihnen die Zukunft entgleitet, dass sie keinen Einfluss darauf haben. Wir müssen zeigen, wohin es gehen kann und wie man die eigene Zukunft wieder in die Hand nimmt. Daran möchte ich mit euch weiterarbeiten, und drei Dinge sind mir dabei besonders wichtig:
Erstens: Wir machen Klimaschutz zu einem Wohlstandsversprechen, das man im Alltag spürt – in der Stromrechnung, im Bus, der wirklich fährt, im sicheren Arbeitsplatz. Wir sehen, dass unsere Generation die Chance hat, unser Land neu aufzubauen mit einem innovativen, ökologischen, unabhängigen Wachstum, an dem die Menschen teilhaben können und das bei ihnen ankommt.
Zweitens: Wir sorgen für einen Staat, der nicht verwaltet, sondern Türen öffnet – schneller, einfacher, verlässlicher –, damit die Menschen ihre eigenen Pläne verwirklichen können, statt auf andere zu warten. Wer Vertrauen in die Demokratie zurückgewinnen will, muss zeigen, dass sie liefert. Kompromisse sind dabei keine Niederlage, sondern das Handwerk der Demokratie.
Drittens: Wir werden noch stärker die Partei derer, die sich vor Ort kümmern. Die im Ehrenamt, in Kreisverbänden und Initiativen anpacken, Probleme lösen, Treffpunkte schaffen und Ideen ausprobieren. Aus ihrem Engagement schöpfen wir Kraft und Wissen – und genau das will ich vernetzen, sichtbar machen und in unsere Politik tragen.
Ich weiß, was in dieser Partei steckt, und wie viele von euch Verantwortung übernehmen, wenn andere lieber abwarten. Gemeinsam können wir wieder die Partei werden, der die Menschen zutrauen, dieses Land voranzubringen.
Deshalb bewerbe ich mich gemeinsam mit Felix erneut um den Co-Vorsitz unserer Partei und bitte euch um euer Vertrauen und eure Stimme.
Ich freue mich auf viele Gespräche mit euch!
Herzliche Grüße,
Eure Franziska